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Information overload: Das war die re:publica 2019

Die re:publica 2019 liegt nun einige Tage zurück und so langsam habe ich all die Eindrücke, Learnings, Talks und Diskussionen verarbeitet. Drei Tage lang kamen bei der 13. Ausgabe der Konferenz (übrigens die größte Europas für die Themen Internet und digitale Gesellschaft) über 20.000 Menschen zusammen, um sich über den Einfluss und die Auswirkungen der Digitalisierungen auf unsere Gesellschaft auszutauschen. Mit ein paar Tagen Abstand möchte ich in diesem Beitrag meine Eindrücke und Learnings mit euch teilen.

tl;dr: In der ganzen Halle hing Moby Dick

Wie? Wo? Was?

Ich verfolge die re:publica schon viele Jahre über das Internet und habe mir hin und wieder aufgezeichnete Vorträge auf YouTube angeschaut. Schon immer mal wollte ich dabei sein und so ging es vor ein paar Wochen nach Berlin. Vom 6. bis 8. Mai fand dort zum 13. mal die Konferenz statt. Die Tickets für dieses Jahr waren für 210 Euro bzw. 105 Euro (ermäßigt) zu haben.

Im Grunde handelt es sich bei der re:publica um eine Mischung aus Konferenz, Messe und Festival. Von morgens bis Abends laufen auf verschiedenen Bühnen Vorträge, Diskussionen und Workshops, an denen man nach belieben teilnehmen kann. Für Zwischendurch gibt es verschiedene Bereiche zur Entspannung, zum Netzwerken oder um seinen Hunger zu stillen. Spät Abends gibt es dann die Möglichkeit für alle, die noch Energie haben, bei ein paar entspannten „Vibes“ und Musik den Tag ausklingen zu lassen.

Die Maus auf der Media Convention

Neben der Haupt-Location, der Station Berlin, verteilt sich die re:publica mit mehreren Formaten auch in näherer Umgebung. So gibt es etwa (übrigens im Ticketpreis enthalten) noch die TINCON mit Themen für die sehr junge Zielgruppe, die Media Convention Berlin, das Netzfest und andere kleine Highlights, die man sich nicht entgehen lassen sollte.

So weit so gut, warum geht man aber zur re:publica nach Berlin? Ganz einfach, weil meiner Meinung nach der Input vor Ort eine ganz andere Qualität hat, als wenn man sich die Vorträge über das Internet anschaut. Außerdem kommt man so vor Ort mit gleichgesinnten in Kontakt und kann sich insgesamt besser in die Themen reindenken.

too long; didn’t read (tl;dr)

Die re:publica gibt sich jedes Jahr ein anderes Motto und setzt somit einen Rahmen für die Gestaltung des Programms vor. In diesem Jahr zog sich das Motto „too long; didn’t read“ wie ein roter Faden durch die drei Tage. Diejenigen, die mit dem Internet aufgewachsen sind, erinnern sich sicher noch daran, als man in Chats eben diesen Ausdruck verwendet hat, um zu sagen, dass man den Link/Text oder was auch immer aufgrund der Länge nicht gelesen hat. In der heutigen Zeit bekommt tl;dr allerdings eine völlig neue Bedeutung, nämlich dass die Digitalisierung und wir alle, die wir uns in und mir ihr bewegen, so viel Inhalt produziert, dass es unmöglich ist da noch zu hundert Prozent durchzublicken. Selektion ist deshalb das Mantra des 21. Jahrhunderts und so liegt es an uns, Blödsinn auszusortieren und die hochwertigen bzw. wertvollen Inhalte in den Vordergrund zu stellen.

Meinen persönlichen „information overload“ habe ich auf der re:publica tatsächlich auch erlebt. Ich hätte nicht gedacht, dass einen ein Konferenz-Tag mental so überfrachten kann. Von 10 bis 21 Uhr dauerhaft Input zu bekommen war für mich eine völlig neue Erfahrung und so musste ich mir Donnerstag, nach der re:publica, erst einmal Zettel und Stift nehmen und das erlebte aufschreiben. Insgesamt habe ich über 20 Programmpunkte besucht – das macht fast einen ganzen Tag Input.

Bundespräsident Steinmeier auf der re:publica

Vom Bundespräsidenten bis zum Astronauten

Wie bereits erwähnt hat die diesjährige re:publica, wie auch die letzten 12 Ausgaben, wieder einiges zu bieten gehabt. Von Themen aus den Bereichen Gesellschaft, Internet, Social Media, KI, Big Date und Politik war für jeden etwas dabei. Der Schwerpunkt lag aber gefühlt in diesem Jahr bei dem Thema Demokratie/Politik in der digitalen Welt. Passend dazu wurde die Konferenz vom Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier eröffnet, der eine ziemlich gute Rede auf die Demokratie im 21. Jahrhundert gehalten hat. Daneben gab es viele weitere, mal mehr, mal weniger, prominenten Rednern wie etwa Axel Voss (CDU), Markus Beckedahl (netzpolitik) oder Alexander Gerst (ISS-Kommandant).

Gunter Dueck über Bullshit und Wert

Besonders gut gefallen hat mir die Diskussion über die Frage „Überall wissen, aber was wissen wir wirklich?“ mit Tom Buhrow, Mai Thi Nguyen-Kim (hier ansehen), das Gespräch zwischen Voss und Beckedahl (hier aufgezeichnet) sowie der unterhaltsame Vortrag des Bildblogs über die Highlights seit seiner Gründung (hier entlang). Klasse war ebenfalls der kleine Achtsamkeits-Workshop von Mounira Latrache – ein Thema, welches definitiv in den nächsten Jahren an Relevanz gewinnen wird. Unbedingt ansehen sollten sich treue Netflix/Streaming-Fans auch den Vortrag von Katharina Nocun (hier). Sie hat sich mal die von ihr aufgezeichneten Netflix-Daten gemäß DSGVO geben lassen und darin herumgeforscht. Herausgekommen ist ein düsteres Bild, wie ich finde. Über die „Identifikation von Bullshit und Wert“ sprach Gunther Dueck am letzten Tag der re:publica in einem sehr kurzweiligen Vortrag. Das Thema passte quasi wie die Faust aufs Auge zur diesjährigen re:publica und insoweit auch hier unbedingt ansehen (klick).

Ein Thema welches mich persönlich sehr bewegt und über das ich auch meine Bachelorarbeit geschrieben habe, Digital Detox, kam in gewisser weise auf der re:publica bzw. Media Convention Berlin auch zu Sprache. In einer spannenden Panel-Diskussion ging es um das Thema „Führe mich nicht in Versuchung: Jugendschutz zwischen Screentime-Limits und Social Media Overkill.“. Eine Frage, an die Damen von Google auf dem Podium, konnte ich mir am Ende dann doch nicht verkneifen (hier ansehen).

Last but not least: Jan Wörner (Direktor der Europäischen Raumfahrtagentur), Alexander Gerst und Chiara Manfletti sprachen in einer fantastischen Präsentation über das Thema Raumfahrt. Ich habe noch nie einen so unterhaltsamen und zugleich informativen Vortrag gehört wie von den dreien. Einerseits ist Jan Wörner ein super authentischer Typ, Alexander Gerst sowieso und andererseits sind die drei zusammen sehr unterhaltsam. Ihr merkt schon… auch diesen Vortrag solltet ihr euch unbedingt ansehen.

Noel Schäfer

Noel Schäfer ist Autor von netzgadget.de und studiert Innopreneurship an der Uni Duisburg. Neben dem Studium hat er sich mit der Digitalagentur TELEPANO und virtuellen 360°-Rundgängen selbstständig gemacht. Er ist außerdem regelmäßig bei VUCA-Podcast.de zu hören.

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